Glossar

Der innerhalb einer Schülerverbindung gebräuchliche Wortschatz ist von vielen Fein- und Besonderheiten gekennzeichnet. Die erklärungsbedürftigen Abkürzungen, Fachbegriffe und Redewendungen möchten wir mit diesem Glossar allen Interessenten zugänglich machen. Besonderer Dank gebührt unseren Farbenbrüdern e.v. Abituria Wirceburgia, die uns hierfür ihre sehr umfangreiche Fuxenfibel zur Verfügung gestellt haben: Vivat, crescat, floreat ad multos annos!

Haben Sie Ergänzungen oder Korrekturen? Dann schreiben Sie uns bitte!

A
aB
Siehe Aktiver Bursche.
Abitur
Von lat. abire = abgehen. In Deutschland gängiger Ausdruck für die 1788 erstmals in Preußen eingeführte Allgemeine Hochschulreife. Das Abitur konnte man zunächst nur an den (humanistischen) Gymnasien ablegen, ab 1880 auch an den Realgymnasien und ab etwa 1900 an den Oberrealschulen. In Österreich wird der Gymnasialabschluss als Matura und in der Schweiz als Maturität bezeichnet. Siehe Gymnasium.
Abituria
1.) Heute hauptsächlich in Franken anzutreffender Gattungsbegriff für Schülerverbindungen mit Abiturprinzip und (ehemals) fester Bindung an eine Stammschule. Die Abiturien sind fast alle politisch neutral und konfessionell ungebunden.
2.) Vor dem 2. Weltkrieg war „Abituria“ auch weit verbreitet als Bezeichnung des Abiturjahrgangs einer Schule.
Abkneipe
Semesterabschlusskneipe, letzte Kneipe im Semester.
Absolvia
1.) Eine vor allem in Franken anzutreffende Bezeichnung von Verbindungen, die einst von Schülern mit angestrebtem mittlerem Schulabschluß (Mittlere Reife, früher das „Einjährige“ genannt) gegründet wurden. Da im Verlauf des 20. Jh. viele der Realschulen in Gymnasien umgewandelt wurden, nehmen die heutigen Absolvien hauptsächlich oder sogar ausschließlich Gymnasialschüler auf. Acht fränkische Absolvien haben sich 1953 zum Kartellverband FAC (Fränkischer Absolven-Convent) zusammengeschlossen.
2.) Vor 1945 war „Absolvia“ auch die Bezeichnung des Mittlere-Reife-Jahrgangs einer Schule.
Ad multos annos!
Noch viele Jahre! Wird meist am Ende einer Rede verwendet: „(Verbindungsname) vivat, crescat, floreat ad multos annos!“ Siehe „in aeternum“ und „vivat, crescat, floreat“
Ad locum! (Plural: Ad loca!)
Auf den Platz! (Plural: Auf die Plätze!) Die Mehrzahlform wird häufig vom Präsiden ausgerufen, damit die Kneipanden ihre Plätze an der Kneiptafel einnehmen: „Omnes ad loca!“ („Alle auf Ihre Plätze!“)
Ad sedes!
An die Sitzplätze! „Omnes ad sedes!“ = Es mögen sich alle setzen!
Aktiver Bursche (aB)
Migliederstatus nach dem Ende der Probezeit und bestandener Prüfung (= Burschenprüfung). Vollwertiges Mitglied der Aktivitas. Siehe Inaktiver Bursche.
AH
Siehe Alter Herr.
AHV
Siehe Altherrenverband.
Aktivitas
Gemeinschaft der jungen Verbindungsmitglieder mit eigener Satzung. Der Aktivitas gehören alle Füxe, Aktive Burschen und Inaktive Burschen an. Die Leitung der Aktivitas obliegt den jeweils für ein Semester demokratisch gewählten Chargierten. Siehe Altherrenverband.
Alma Mater
Wörtlich „nährende Mutter“, segenspendende altrömische Gottheit. Davon abgeleitete Bezeichnung für die Universität, die früher den Fürsorgeanspruch für die Studenten ausübte.
Alter Herr (AH)
Mitgliederstatus, mit Erreichen des Abiturs kann ein Bursche sich aus der Aktivitas zurückziehen und in den Altherrenverband aufgenommen werden. Wird auch Philister genannt.
Altherrenverband (AHV)
Zusammenschluss der Alten Herren einer Verbindung. Sein Zweck ist die Förderung der lebenslangen Freundschaft untereinander und die Unterstützung der Aktivitas. Wird auch Philisterverband genannt, besitzt eine eigene Satzung und wird vom jährlich demokratisch gewählten AH-Vorstand geleitet. Siehe Philistersenior.
Ankneipe
Semesterantrittskneipe, erste Kneipe im Semester.
a.o.
Außerordentlich; z.B. a.o.C = außerordentlicher Convent.
aufschärfen
„Das Gemäß aufschärfen“ = Das Trinkgefäß auffüllen.
B
Band
Auch Couleurband genannt. Das Band ist das äußere Zeichen der Zugehörigkeit zu einer farbentragenden Korporation und soll das Eintreten für die Ideale und Prinzipien der Verbindung unterstreichen. Neben dem Burschenband, das alle (i.d.R. drei) Bundesfarben zeigt, entstand in der Mitte des 19. Jh. das Fuxenband, das nur aus zwei der drei Bundesfarben besteht (die Pv! Honovere hat grundsätzlich zwei Farben). Personen, die sich um die Verbindung besonders verdient gemacht haben, wird ein Ehrenband oder eine Schleife verliehen. Senior und Fuxmajor tragen Kartellbänder bzw. das Fuxenband gekreuzt von links nach rechts über ihrem Burschenband.
Bandaufnahme
Der Verbindung beitreten, Mitglied werden. Geschieht oftmals während einer Kneipe und in einem feierlichen Rahmen.
Bandentzug
Auf bestimmte Zeit keine Farben tragen dürfen. In manchen Verbindungen übliche Strafmaßnahme. Ursache ist meist eine schwere Commentverfehlung oder bei schlagenden Verbindungen eine ungenügend geschlagene Mensur. Siehe Schwarzwald.
Bbr.
Siehe Bundesbruder.
BC
Siehe Bundesconvent.
Bier-Comment
Siehe Kneip-Comment.
Bierminute
Bei Veranstaltungen gebräuchliche Zeiteinheit: 10 Bierminuten = 6 Zeitminuten.
Bierdorf
1.) Andere Bezeichnung für Fidulität.
2.) In einem umgekehrten Bierdorf wird der Comment verdreht: Der jüngste Fux ist Präside, während die ältesten Burschen die Rolle der Füxe übernehmen und z.B. die Kneipgesellschaft mit Bier versorgen. Siehe Fidulität, Offiz und Inoffiz.
Bierfux
Fux, der an der Kneiptafel das Bier austrägt.
Bierjunge
1.) Schimpfwort gegen einen Burschen.
2.) Duellartiges Austragen eines Konfliktes durch Biermensur.
Biermensur
Duellartiges Austragen eines Konfliktes durch Bierwetttrinken. Auch Bierskandal genannt. Die Durchführung ist im Bier-Comment geregelt.
Biernagel
Metallnagel mit erhabenem Kopf. Biernägel sind meist in die Ecken der Einbanddeckel von Gäste- und Kommersbüchern eingetrieben und sollen verhindern, dass die Bücher auf den oftmals nassen Kneiptischen verschmutzt werden.
Bierorgel
Klavier, das bei einigen Verbindungsveranstaltungen gespielt wird.
Bierorgler
Klavierspieler, der mit der Bierorgel einige Verbindungsveranstaltungen begleitet. Siehe Satis!
Bierzipfel
Zipfel, bestehend aus einem Stück Burschenband, den der Leibbursche seinem Leibfuxen widmet. Siehe Zipfel.
Blume
Schaumkrone auf einem frisch eingeschenkten Glas Bier. „Darf ich Dir aus der Blume helfen?“ = höflicher Wunsch, mit jemandem anzustoßen, der gerade ein frisches Bier erhalten hat.
Bundesbruder (Bbr.)
Alle Mitglieder der eigenen Verbindung sind Bundesbrüder.
Bundesconvent (BC)
Jahreshauptversammlung, Treffen aller Mitglieder zur Regelung wichtiger Belange.
Bundeslied
Ein von der Verbindung selbst ausgewähltes Lied, welches am besten zu ihr passt (siehe Wahlspruch).
Bursche
Mitglied der Aktivitas. Es wird unterschieden zwischen Aktiver Bursche und Inaktiver Bursche.
Burschenprüfung
Mündliche Prüfung, auf der ein Fux sein Wissen über die eigene Verbindung, das Verbindungsleben, die Satzung, das Korporationswesen u.a. beweist. Das Bestehen der Burschenprüfung ist Voraussetzung für die Burschung. Siehe Fuxmajor.
Burschung
Endgültige Aufnahme in die Verbindung durch Verleihung des Burschenbandes. Voraussetzung dafür ist das Bestehen der Burschenprüfung. Die Burschung findet in der Regel auf Kneipen und Kommersen statt.
C
Cantus
Lied oder Gesang.
Charge
Die Charge bezeichnet ein Amt, einen Rang.
Chargia
Die Chargia ist die Gesamtheit aller Chargierten eines Bundes.
chargieren
Die eigene Verbindung offiziell repräsentieren, insbesondere bei einer Kneipe oder einem Kommers.
Chargierten
Die Chargierten sind die Amtsträger. Siehe Chargierter.
Chargierter
Ein Chargierter ist ein Amtsträger. Siehe Chargierten.
Colloquium
Gespräch; Abschnitt einer Kneipe, bei dem man sich unterhalten darf, im Gegensatz zum Silentium.
Comment
Von „comment“ (franz.) = „wie“. Regelwerk einer Verbindung, in dem über die Satzung hinausgehende Belange festgelegt sind.
Consenior
Siehe Schriftwart.
Convent
Versammlung, Sitzung zur Regelung aller Belange (Post, Kasse, Fahrten- und Veranstaltungen planen etc.)
Corona
Tafelrunde, Kneipgesellschaft; das Gegenstück zum Präsidium.
Couleur
Das Wort stammt von franz. la couleur = die Farbe. ImSprachgebrauch einer Verbindung versteht man darunter die Bundesfarben, die die Mitglieder in Band, Mütze und Zipfeln tragen. Siehe Farben.
Couleurartikel
Mit den Bundesfarben und event. dem Wappen versehener Gegenstand, der keinen unmittelbaren Bezug zum eigentlichen Verbindungsleben haben muss, wie z.B. Brieföffner, Couleurnadel, Krawattennadel et cetera.
Couleurbummel
Gemeinschaftlicher Spaziergang v.a. nach großen Feierlichkeiten. Oft genutzt, um andere Verbindungen spontan zu besuchen. Auch Farbenbummel genannt.
Couleurkarte, Couleurpostkarte
Postkarte einer Verbindung, auf der meist die Verbindungsfarben mit dem Verbindungswappen abgebildet sind.
Couleurnadel
Anstecknadel mit kleinem Wappen, das die Verbindungsfarben enthält. Die Couleurnadel wird am Anzugrevers getragen.
Couleursemester
Anzahl der Semester, seit der man Mitglied in einer Verbindung ist. Manche Verbindungen zählen Chargensemester als doppeltes Couleursemester. Ein Bundesbruder, welcher länger der Verbindung angehört als man selbst, wird als couleurälter bezeichnet.
Couleurstudent
Mitglied einer farbentragenden Studentenverbindung.
D
Dachverband
Zusammenschluss mehrerer Verbindungen mit gleichen Idealen und/oder Zielsetzungen.
Dechargierung
Entlastung eines Chargen von seinem Amt am Ende der Dienstzeit durch den Convent.
dedizieren
Schenken, überreichen, widmen.
Dimission
Entlassung bzw. Ausschluß eines Verbindungsmitglieds durch Convents-Beschluss. Die Dimission kann als Strafmaßnahme zeitlich befristet sein oder den endgültigen Ausschluss aus einer Verbindung bedeuten.
dimittieren
Jemanden entlassen, siehe Dimission.
Drittchargierter
Siehe Kassenwart.
E
Ehrenphilister
Alter Herr, der aufgrund besonderer Verdienste oder jahrelanger Mitgliedschaft das Ehrenband erhält.
einpauken
1.) Fechtunterricht erteilen, jemanden auf scharfe Mensuren vorbereiten.
2.) Sich in eine Kneiprunde einpauken = ein entsprechendes Quantum Bier trinken, wenn man z.B. zu spät zu einer Kneipe erscheint.
Erstchargierter
Siehe Sprecher.
ex
Aus, beendet, fertig; z.B. als Ansage des Präsiden auf Kneipe nach Beendigung eines Liedes: „Cantus ex, silentium ex, colloquium!“.
Exbummel
Couleurbummel nach einer Veranstaltung
F
fakultativ
Freiwillig, freigestellt.
Farben
Die Verbindungsfarben haben ihren Ursprung in den jeweiligen Landesfarben, die Studenten im 18. Jahrhundert in ihre Landsmannschaften übernommen hatten. Einen bedeutenden Einfluss hatte die Französische Revolution mit ihrer Parole „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“. Als Anlehnung an die Trikolore kam um 1800 die Dreifarbigkeit der Bänder studentischer Korporationen auf. Die deutschen Nationalfarben schwarz-rot-gold gehen zurück auf die Deutsche Ur-Burschenschaft, die 1815 nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon von Studenten in Jena gegründet worden war. Siehe Couleur.
Farbenbruder (Fbr.)
Mitglied einer anderen farbentragenden Verbindung.
Farbenbummel
Siehe Couleurbummel.
Fbr.
Siehe Farbenbruder.
Fechtboden
Raum, in dem Fechtunterricht erteilt wird und Mensuren stattfinden. Auch Paukboden oder Paukkeller genannt.
Ferialverbindung
Korporationsform, die hauptsächlich in Städten zu finden ist, in denen es keine Hochschule gibt. Ferialverbindungen wurden entweder von Studenten gegründet, um sich in der alten Heimatstadt während der Semesterferien zu korporativen Veranstaltungen zu treffen, oder sind aus lokalen Altherrenzirkeln von Studentenverbindungen hervorgegangen.
Ferienverbindung
Siehe Ferialverbindung.
Ferienvertreter
Vertreter des Chargenkabinetts während der vorlesungsfreien Zeit. Der Ferienvertreter besorgt die laufenden Geschäfte und sorgt auch meistens für ein Ferienprogramm.
Festkommers
Besonders feierlicher Kommers, z.B. bei runden Stiftungsfesten.
Fidulität, Fidelitas
Fröhlichkeit, Lustigkeit, Fidelsein. Letzter Teil einer Kneipe, der meist ohne das richtige Präsidium mit Singen, lustigen Vorträgen etc. verbracht wird. Siehe Offiz, Inoffiz und Bierdorf.
Fidibus
Gefalteter Papierstreifen zum Anzünden der Tabakspfeife. Bis ca. 1770 war Studenten das Rauchen verboten. Sie rauchten daher in heimlichen Zusammenkünften auf ihren Buden. Der Gastgeber lud durch ein lateinisches Schreiben ein, dessen Text durch Abkürzen der Wörter nur Eingeweihten verständlich sein sollte. Es begann meist mit „Fid.ibus....“ = „Fidelibus fratribus“, das heißt „den freien Brüdern“. Die Einladung wurde dann zum Anzünden verwendet.
FM
Chargenzeichen des Fuxmajors.
fordern
Zum Zweikampf auffordern bzw. herausfordern, was mündlich oder schriftlich (z.B. durch eine eingerissene Visitenkarte des Herausforderers) geschehen kann.
Frbr.
Siehe Freundschaftbruder.
Freundschaftbruder (Frbr.)
Mitglied einer Freundschaftsverbindung.
Freundschaftsverbindung
Zwischen Freundschaftsverbindungen besteht ein sehr enges Verhältnis aufgrund gemeinsamer Ziele, Ideale usw. Dieses äußert sich z.B. in häufigen gegenseitigen Besuchen oder gemeinsamen Veranstaltungen. Siehe Kartell.
Fuchs
Siehe Fux.
Fuchsia
Siehe Fuxia.
Fux
Mitgliederstatus nach der Bandaufnahme und während der Fuxenzeit. Andere Schreibweise: Fuchs. Siehe Aktiver Bursche.
Fuxia
Alle Füxe zusammen bilden die Fuxia. Andere Schreibweise: Fuchsia.
Fuxenband
Couleurband der Füxe, das nur zwei der allgemein üblichen drei Bundesfarben zeigt. Eine Ausnahme davon machen viele Corps und Burschenschaften, bei denen von Anfang an das normale Couleurband getragen wird und ein Fuxenband nicht existiert.
Fuxenstall
Während Kneipen und Kommersen sitzen die Füxe zusammen an einem Tisch, dem sogenannten Fuxenstall. Dort befinden sie sich in der Obhut des Fuxmajors. Das Gegenstück zum Burschensalon.
Fuxenstunde
Unterrichtsstunde für die Füxe, denen der Fuxmajor Satzung, Brauchtum, Geschichte, Grundzüge des Korporationswesen etc. beibringt. Ein wichtiger Teil der Vorbereitungen zur Burschenprüfung.
Fuxenulk, Fuxenmimik
Humoristische Darbietung des Fuxenstalls im Inoffiz.
Fuxenzeit
Probezeit für die jungen Mitglieder einer Korporation. Sie beträgt üblicher Weise ein bis zwei Semester und endet mit der Burschung.
Fuxmajor
Eine Charge innerhalb der Aktivitas. Der Amtsinhaber kümmert sich um die Füxe und unterrichtet sie u.a. in Satzung, Brauchtum, Geschichte und Korporationswesen. Chargenzeichen: FM oder Fx.
Fv, FV
Siehe Ferialverbindung.
Fx
Chargenzeichen des Fuxmajors.
G
Ganzer
Bis zum Rand gefülltes Trinkgefäß, in der Regel ein halber Liter Bier (regional unterschiedlich).
Gemäß
Das Gemäß ist eine andere Bezeichnung für ein Trinkgefäß.
Gegenpaukant
Gegner bei einer Mensur oder Biermensur.
Geschenkt!
Zuruf vom Präsiden an einen in der Kanne stehenden Kneipanden, um seine Bierstrafe zu beenden. Siehe Satis!
Gymnasialklassen
Die lateinische Bezeichnung der Gymnasialklassen wurde Ende des 19. Jh. in Preußen eingeführt. Damals zählte man die Klassen rückwärts, d.h. die Sexta war die sechstletzte Klasse vor dem Abitur, die Quinta die fünftletzte usw. Die Zählweise von Sexta bis Prima rührt daher, dass es zunächst nur sechs Jahrgangsstufen gab. Als dann drei weitere Jahrgangsstufen hinzukamen, wurde die Benennung der letzten drei Jahrgänge dupliziert in Unter- und Obertertia usw. Später numerierte man die Gymnasialklassen in aufsteigender Folge, ohne jedoch die Grundschuljahre zu berücksichtigen. Erst nach dem 2. Weltkrieg wurde die heute übliche Zählweise eingeführt.
numerisch (heute)numerisch (veraltet)lateinisch
51Sexta
62Quinta
73Quarta
84Untertertia
95Obertertia
106Untersekunda
117Obersekunda
128Unterprima
139Oberprima
Gymnasium
Im antiken Griechenland war das gymnasion eine Übungs- und Wettkampfanlage zur körperlichen Erziehung und vormilitärischen Ausbildung. In der beginnenden Neuzeit wurde diese Bezeichnung für höhere Schulen übernommen, die einen vollständigen Kursus in den Fächern Latein und Griechisch vermittelten. In Preußen wurde das Gymnasium ab 1788 zu einer schulischen Anstalt, die auf das Universitätsstudium vorbereiten sollte. Parallel zu den humanistisch ausgerichteten Gymnasien entstanden im 19. Jh. Realgymnasien und Oberrealschulen, an denen lebende Sprachen und Naturwissenschaften unterrichtet wurden. Gegen Ende des 19. Jh. wurden die Abschlüsse dieser zwei Schultypen dem des Gymnasiums gleichgestellt. Seit 1955 werden in Deutschland alle höheren Schulen, die zur allgemeinen Hochschulreife führen, als Gymnasium bezeichnet. 1972 wurde in der gymnasialen Oberstufe das Kurssystem eingeführt. Siehe Abitur.
H
Hängt!
Antwort auf die Herausforderung zu einem Bierjungen, der hiermit angenommen wird.
Halber
Halb gefülltes Trinkgefäß.
Hieb
Fechthieb mit dem Schläger. Es gibt verschiedene Arten von Hieben, die nach der möglichen Trefferstelle im Gesicht des Gegenpaukanten betitelt werden (siehe Quart, Terz) und auch den Mensuren vereinzelt ihre Namen geben.
h.c.t.
„Horae cum tempore“ ist eine lateinische Zeitangabe und bedeutet, dass die „akademische Viertelstunde“ gewährt wird. So steht z.B. 20 h.c.t. für 20:15 Uhr.
h.s.t.
„Horae sine tempore“ ist eine lateinische Zeitangabe. Auf die Stunde wird kein Zuschlag gewährt und daher muss man pünktlich sein. So steht z.B. 20 h.s.t. für genau 20:00 Uhr.
h.m.c.t.
„Horae magno cum tempore“ ist eine lateinische Zeitangabe. Auf die Stunde wird eine halbe Stunde Zuschlag gewährt und so steht z.B. 20 h.m.c.t. für 20:30 Uhr.
h.m.m.c.t.
„Horae maximo cum tempore“ ist eine lateinische Zeitangabe. Auf die Stunde wird eine dreiviertel Stunde Zuschlag gewährt und so steht z.B. 20 h.m.m.c.t. für 20:45 Uhr.
I
iaB
Siehe Inaktiver Bursche.
In aeternum!
„Auf ewig!“ Wird meist am Ende einer Rede verwendet: „(Verbindungsname) vivat, crescat, floreat in aeternum!“ Siehe „ad multos annos“ und „vivat, crescat, floreat“.
Inaktiver Bursche
Ein Inaktiver Bursche (iaB) ist ein vollwertiges Mitglied der Aktivitas, hat aber weniger Verpflichtungen als ein Aktiver Bursche. Üblicher Weise erfolgt die Inaktivierung zur Abiturvorbereitung. Man unterscheidet Inaktive, die am Ort („in loco“) oder außerhalb („ex loco“) wohnen. Siehe Alter Herr.
Inoffiz, Inoffizium
Nachdem der Präside das Offiz beendet hat, kann sich ein inoffizieller Teil anschließen. Dieser zweite Teil der Kneipe ist lustigen Vorträgen, Bierreden, Fuxenulken etc. gewidmet. Nach Kommersen findet i.d.R. kein Inoffiz statt. Siehe Bierdorf, Fidulität und Offiz.
K
Kanne
„In die Kanne steigen lassen“ = jemanden trinken lassen. Eine Strafe, die ein älteres Semester bei ungebührlichem Verhalten über ein jüngeres verhängen kann. Siehe löffeln.
Kartell
Von lat. cartula = kleines Schreiben, Zettel. Im studentischen Bereich bedeutete es zunächst die schriftliche Aufforderung zum Zweikampf. Daneben wurden aber auch die Abmachungen zwischen Landsmannschaften einer Universität so bezeichnet. Es entstand dann daraus die Bedeutung eines festen Vertragsverhältnisses zwischen verschiedenen Korporationen. Ein Kartell bedeutet ein enges Verhältnis und äußert sich z.B. in häufigen gegenseitigen Besuchen oder gemeinsamen Veranstaltungen. Siehe Freundschaftsverbindung.
Kartellbruder (Kbr.)
Mitglied einer Verbindung, die mit der eigenen ein Kartell geschlossen hat.
Kassenwart
Die dritthöchste Charge der Aktivitas und verantwortlich für die Finanzen. Auch Drittchargierter, Subsenior oder Quästor genannt. Chargenzeichen: xxx.
Kbr.
Siehe Kartellbruder.
keilen
Mitglieder für eine Verbindung werben.
Keilgast
Gast, der für eine Verbindung geworben werden soll. Siehe Spefux.
Kneipe
1.) Hochoffizielle Veranstaltung einer Verbindung, auf der nach altem korporativen Zeremoniell mit Gästen, Bundes-, Kartell-, Farben- und Freundschaftbrüdern gefeiert wird. Eine Kneipe läuft meist ab in Form von Offiz, Inoffiz und beliebig vielen Fidulitäten.
2.) Raum, in dem eine Verbindung ihre Kneipen feiert.
Kneip-Comment
Niederschrift zur Regelung der Rechte und Pflichten von Mitgliedern einer Kneiptafel. Auch Bier-Comment genannt.
kneipen
Eine Kneipe feiern.
Kneiptafel
Tische, die meist in U-Form aufgestellt sind, an denen die Kneipanden Platz nehmen. Die Tafel unterteilt sich in die Stirnseite mit dem Präsidium und die Zapfen mit der Corona, dem Burschensalon. Am Ende des einen Zapfens sitzt der Fuxmajor mit seinem Fuxenstall. Siehe Bierfux.
Kommers
Hoch offizielle, besonders feierliche Kneipe zu besonderen Anlässen wie z.B. dem Stiftungsfest. Kommerse bestehen in der Regel nur aus einem langgestreckten offiziellen Teil (siehe Offiz). Siehe Festkommers.
Kommersbuch
Sammlung von Verbindungsliedern. Besonders bekannt ist das auf Ernst Moritz Arndt zurückgehende Allgemeine deutsche Kommersbuch, das 1843 zum ersten Mal erschienen ist und seitdem über 160 Auflagen erfahren hat.
Konstante
Angemieteter Raum oder Wirtschaft, in der regelmäßig die Veranstaltungen stattfinden.
Korporation
Sammelbegriff für alle Zusammenschlüsse von Schülern oder Studenten, die sich nach studentischem Brauchtum organisieren und ihrem Bund auf Lebenszeit angehören. Siehe Ferialverbindung, Schülerverbindung, Verein.
Korporierter
Angehöriger einer Korporation.
Kreuzkneipe
Kneipe, die mit einer befreundeten Verbindung geschlagen wird. In der Leitung des offiziellen Teils wechseln sich die Verbindungen ab. Besondere Formen sind Kartell- und Fuxen-Kreuzkneipen.
L
Landesvater
Hohe Feierlichkeit von Verbindungen. Ursprünglicher Sinn war, den Bundesbrüdern Treue und Opferbereitschaft zu geloben. Als Zeichen der freiwilligen Hingabe materiellen Gutes im Dienste an den Freund wird die Mütze mit dem Chargenschläger durchstochen. Später verschmolz dieser Brauch mit dem Ausrufen eines Vivats auf den Landesvater. Heute besinnt man sich aber oft wieder auf die alte Bedeutung. Während der Zeremonie wird das Lied „Alles schweige, jeder neige“ gesungen und der Burscheneid erneuert.
Lbb.
Siehe Leibbursche.
Lbf.
Siehe Leibfux.
Lebensbundprinzip
Während der Schulzeit profitiert man von dem Wissen und von materiellen Dingen der bisherigen Mitglieder. Nach dem Abitur und mit dem Eintritt ins Berufsleben fördert man dann selbst die neuen Mitglieder, bis diese ihr Abitur machen und danach die neuen... Kurz: Lebenslange Zugehörigkeit zu einer Verbindung.
Leibbrüder
Alle Leibfüxe innerhalb einer Korporation, die denselben Leib-burschen haben.
Leibbursche (Lbb.)
Der Bursche, den sich ein Fux zum besonders vertrauten Bundesbruder und Mentor wählt. Ein Leibbursche kann mehrere Leibfüxe haben.
Leibfamilie
Engere Freundesgemeinschaft innerhalb der Verbindung, die aus den Leibburschen und Leibfüxen eines Stammbaumes besteht. Die Leibfamilie wird nach ihrem Ahnherren, dem ersten Glied des Stammbaums, benannt.
Leibfux (Lbf.)
Fux, der sich einen Leibburschen auf Lebenszeit zum engen Freund und Vertrauten wählt.
Leibverhältnis
Freundschaftsbund zwischen Leibfux und Leibburschen.
löffeln
Trinken eines Schluckes, obwohl es nicht nötig wäre. Wenn der Präside z.B. einen Fehler macht, dann schickt er sich nicht selbst in die Kanne, sondern löffelt sich. Ebenso löffeln sich Alte Herren, da sie aus Respekt eigentlich nicht in die Kanne geschickt werden.
M
Matura
In Österreich gebräuchlicher Ausdruck für Abitur.
Maturität
In der Schweiz gebräuchlicher Ausdruck für Abitur.
Mensur
Von mensura (lat.) = Messen, Messung. Man versteht darunter das Fechten mit scharfen Schlägern. In Verabredungsmensuren wählt ein Paukant seinen Gegner selbst aus. Bei den heute üblichen Bestimmungsmensuren werden die Paukanten nach körperlicher und technischer Gleichwertigkeit vom Fechtwart ausgesucht. Das Austragen von Ehrenhändeln in Form einer Mensur wird heute offiziell nicht mehr praktiziert.
mitziehen
1.) Einen Zutrunk sofort erwidern.
2.) Sich freiwillig an einem Zutrunk beteiligen, der einem Dritten zugedacht ist.
Mittelschule
1.) In Deutschland veraltete Bezeichnung für Realschule.
2.) In Österreich früher üblicher Begriff für Gymnasium, seit 1962 für alle allgemeinbildenden höheren Schulen.
Mütze
Häufigste Form der Kopfbedeckung von Korporierten, die von der kleinen Nackenmütze bis zur großen Tellermütze in zahlreichen verschiedenen Formen und Größen getragen wird. Einige Verbindungen bevorzugen jedoch den Stürmer und Alte Herren tragen oftmals ein Tönnchen. Die Farbe der Mütze entspricht meist einer Farbe des Bands, der Mützenrand zeigt zwei oder alle drei Bundesfarben. Die Mütze ist Teil der Vollcouleur.
N
nachziehen, nachkommen
Einen Zutrunk erwidern, wenn man wieder ein Getränk hat.
Non licet vagari et fumare!
Der Präside kann mit diesem Spruch zu Beginn einer Kneipe das Herumgehen (vagari) und Rauchen (fumare) für eine bestimmte Zeitdauer untersagen. Das Verbot gilt meistens für das Offiz.
O
Oberrealschule
Siehe Gymnasium.
Offiz, Offizium
Erster und wichtigster Teil einer Kneipe oder eines Kommerses. Das Offiz wird i.d.R. vom Senior geleitet, der mit seinen Conchargen zusammen in Vollwichs das Präsidium bildet. Siehe Bierdorf, Fidulität und Inoffiz.
P
Panier
Banner, Fahne. Hauptfahne der Verbindung, die die Verbindungsfarben mit Zirkel und Wahlspruch zeigt.
Paradeschläger
Schläger in besonders prachtvoller Ausführung, der von den Chargierten getragen wird.
Partie
Mensur. Es gibt fakultativ schlagende Verbindungen und solche, die ihren Mitgliedern Pflichtpartien vorschreiben. Üblich sind ein bis zwei Fuxenpartien und zwei bis drei Burschenpartien. Darüber hinausgehende Mensuren werden gerne als Lustpartien bezeichnet.
Paukant
Austragender einer Mensur oder Biermensur.
Paukboden
Siehe Fechtboden.
pauken
1.) Lernen, studieren.
2.) Fechten lernen oder üben, meist mit stumpfen Schlägern.
Pekesche
Meist taillierte Jacke mit Querlitzenbesatz und Knebelverschlüssen. Sie ist oft in der Farbe der Mütze gehalten, während die Kordeln und Verschlüsse die Farben des Burschenbands aufweisen. Die Pekesche wird vom Präsidium und dem Fuxmajor auf Kneipen, Kommersen oder anderen Feierlichkeiten getragen.
Pennäler
1.) Schüler eines Gymnasiums.
2.) Mitglied einer Schülerverbindung.
Pennal, Penne
Höhere Schule, Gymnasium, in Österreich: Mittelschule. Während das Wort „Pennal“ von lat. penna = Feder abgeleitet wurde, ist „Penne“ aus dem Rotwelschen in die Schülersprache übernommen worden und hatte früher die Bedeutung von Herberge, Schlafstätte.
Pennalie, Pennalverbindung (Pv, PV)
Vor allem in Österreich verwendete Bezeichnung für Schülerverbindung.
Philister
1.) Bei Verbindungen ist „Philister“ eine andere Bezeichnung für Alter Herr.
2.) Umgangssprachlich abwertend für einen Spießbürger.
Philisterium
Andere Bezeichnung für die Altherrenschaft (= Gesamtheit aller Alten Herren).
Philistersenior
Erster Vorsitzender des Altherrenverbands.
Philisterverband
Siehe Altherrenverband.
Philistrierung
Aufnahme in den Altherrenverband. Bei Schülerverbindungen frühestens nach dem Abitur möglich.
plenis coloribus
In Vollcouleur.
Präside
Vorsitzender von Kneipen und Kommersen (in der Regel der Senior oder sein Stellvertreter).
Präsidium
Vorsitz, Leitung von Kneipen und Kommersen. Das Präsidium besteht in der Regel aus einer ungeraden Anzahl an Chargierten (meistens drei oder fünf).
Prosit bzw. Prost!
Es möge Dir nützen! Zuruf beim Zutrinken.
Pv, PV
Siehe Pennalverbindung.
Q
Quästor
Siehe Kassenwart.
Quart
Fechthieb nach der linken Kopfseite des Gegenpaukanten. Man unterscheidet Hoch,- Außen- und Tiefquart. Siehe Hieb.
R
Realgymnasium
Siehe Gymnasium.
Reception
Aufnahme eines neuen Mitglieds in die Verbindung durch Verleihung des Fuxenbands.
recipiert werden
In eine Verbindung aufgenommen werden.
Renonce
Um 1810 auftretender Begriff für noch nicht geburschte Verbindungsangehörige, später als Bezeichnung für Verkehrsgäste verwendet. Bis 1820 benannte man so auch Studenten, die keiner Korporation angehörten.
Rest
Geringe Menge an verbliebenem Getränk im Glas. Befehl des älteren Semesters an das jüngere: „Rest weg!“ = Austrinken des Glases. Der „schäbige Rest“ sollte nicht stehen bleiben.
S
Salamander
Trinkritus, der bis 1830 beschränkt war auf das gemeinsame gleichzeitige Leeren von in Gläsern angezündetem Schnaps oder Grog. Ein Schnapssalamander galt nur ganz selten der Ehrung einer Person. Erst 1840 wurde der heute übliche Biersalamander eingeführt, der häufig zu Ehren der eigenen oder einer anderen Verbindung „gerieben“ wird. Der Ursprung des Wortes ist nicht eindeutig geklärt, vermutlich ist es eine Kurzform von „saufen wir alle miteinander!“ Der Salamander wird stehend durchgeführt und vom Präsiden oder einem anderen Kneipteilnehmer kommandiert. Siehe Trauersalamander.
Salonwichs
Kleine Ausführung der Vollwichs. Die Salonwichs besteht aus schwarzem Anzug, Mütze / Tönnchen / Cerevis, Schärpe, Handschuhen und Schläger ohne Gehänge.
Satis!
Genug!
1.) Zuruf des Präsiden an den Bierorgler, die angestimmte Melodie zu unterbrechen.
2.) Zuruf, um eine Bierstrafe zu beenden; vgl. Geschenkt!
Satisfaktion
Genugtuung. Wiedergutmachen einer Ehrenkränkung durch ein Duell mit schweren Waffen (Degen, Säbel, Pistole) bis Anfang des 20. Jh. Die Verbindungen unterschieden sich früher nach ihrer grundsätzlichen Einstellung zur Satisfaktion:
1.) Unbedingte Satisfaktion gegenüber jedem ehrenhaften Mann.
2.) Bedingte Satisfaktion: Jedem Mitglied war es freigestellt, Satisfaktion zu geben. Das Mitglied gab beim Eintritt in die Verbindung eine bindende Erklärung in einem verschlossenen Brief ab, der erst im Fall einer Ehrensache geöffnet wurde.
3.) Allgemeine Ablehnung der Satisfaktion mit Waffen.
Satisfaktionsfähigkeit
Fähigkeit, Satisfaktion geben zu können. Satisfaktionsfähig sind Waffenstudenten und alle, die von einer schlagenden Verbindung Waffenschutz erhalten.
Schläger
Hiebwaffe mit gerader Klinge. Zum Mensurfechten werden Korbschläger oder Glockenschläger verwendet. Beim Chargieren werden Paradeschläger getragen.
schlagen
1.) „Eine Kneipe schlagen“ = eine Kneipe als Präside leiten.
2.) Auf der Mensur fechten.
Schmiss
Hiebnarbe nach einem Treffer bei einer Mensur.
Schnapszipfel
Kleinste Zipfelform, die sehr selten getauscht wird. Siehe Zipfel.
Schriftwart
Die zweithöchste Charge der Aktivitas, verantwortlich für die Korrespondenz und Stellvertreter des Sprechers. Auch Zweitchargierter, Consenior oder Scriptor genannt. Chargenzeichen: xx.
Schülerverbindung (Sv, SV)
Zusammenschluss von Oberstufenschülern mit den Zielen lebenslange Freundschaft, gegenseitige Unterstützung (gerade auf dem Weg zum Abitur) und einer großen Portion Lebensfreude. Ähnlich den Studentenverbindungen nach traditionellen Formen organisieren. Ihre Orientierung ist sehr unterschiedlich: Während die österreichischen Schülerverbindungen stark konfessionell und weltanschaulich geprägt sind, trifft dies in Deutschland nur für einen kleinen Teil zu. Die Schülerverbindungen bestehen heute in der Regel im Einvernehmen mit der Schulleitung. Sie sind besonders stark vertreten in Süddeutschland, der Schweiz, Österreich und Südtirol. Siehe Pennalverbindung.
Schwarzer
Student, der keiner Korporation angehört.
Schwarzes Prinzip
Verbindung, die das Farbentragen in Form von Band und Mütze ablehnt. Zipfel werden jedoch auch von den meisten nicht farbentragenden Korporationen geführt.
Schwarzwald
„Im Schwarzwald sein“ = umgangssprachlich für Bandentzug.
Scriptor
Siehe Schriftwart.
Sektzipfel
Kleine Zipfelform. Der Sektzipfel wird Frauen (v.a. Couleurdamen) dediziert, die ihn meist an einer Halskette oder einer schleifenartigen Brosche tragen. Siehe Zipfel.
Sekundant
Beistand, Helfer.
1.) Assistent des Unparteiischen bei einer Biermensur.
2.) Geübter Fechter, der einem Paukanten bei einer Mensur beisteht. Er befiehlt Beginn und Ende eines Fechtganges und schützt durch Einfall mit seinem Schläger seinen Paukanten, neben dessen nichtfechtenden Arm er während jedes Ganges in Hocke geht, gegen incommentmäßige Hiebe des Gegners.
Semester
1.) Schul- oder Studienhalbjahr; Einteilung in Sommersemester (SS) und Wintersemester (WS).
2.) Relative Altersangabe für Schüler, Studenten, Akademiker. Als Anfänger ist man ein „junges Semester“, später ein „altes Semester“.
Semesterprogramm
Für jedes Semester werden die Veranstaltungen niedergeschrieben. Dient oftmals als Einladung und Aushängeschild einer Verbindung.
Senior
Siehe Sprecher.
Silentium
Ruhe, Stille. Der Präside gebietet „Silentium!“ für Reden, gemeinsamen Gesang u.a. Nach einem Lied oder einer Rede wird es aufgehoben durch „Silentium ex, colloquium!“ Siehe Colloquium!
sine
Ohne. Wenn das Glas leer ist und einem zugeprostet wird, dann ruft man entschuldigend „Sine!“
Spefux
Von spes (lat.) = Hoffnung. Gast, der einer Verbindung als Mitglied in Aussicht steht. Siehe Keilgast.
Spezielles
„Auf Dein Spezielles!“ ist ein ehrender Zutrunk auf das besondere Wohl eines Tischgenossen. Dieser ist zum Mitziehen oder Nachkommen nicht verpflichtet. „Auf Dein ganz Spezielles!“ ist eine gesteigerte Form des Zutrunks, bei der der Geehrte üblicherweise nicht mitzieht.
Sprecher
Die höchste Charge der Aktivitas. Auch Erstchargierter oder Senior genannt. Chargenzeichen: x.
SS
Abkürzung für Sommersemester.
stärken
An der Kneiptafel strafweise trinken. Kann auch freiwillig erfolgen z.B. mit den Worten: „Ich stärke mich selbst.“
stechen
Als Chargierter den Schläger mit ausgestrecktem Arm schräg nach rechtsoben halten. Das Stechen ist bei manchen Verbindungen Sitte beim Singen von Bundeslied oder Nationalhymne.
steigen
1.) „In die Kanne steigen“ = strafweises Trinken.
2.) Der Beginn eines Liedes wird vom Präsiden angekündigt mit: „Es steigt der Cantus...“
3.) Stattfinden, z.B. „es steigt eine Kneipe am...“
Stellvertreter
Siehe Charge.
Stiftungsfest
Gründungsfeier einer Verbindung, die sich meist über ein ganzes Wochenende erstreckt. Veranstaltungen im Rahmen des Stiftungsfestes sind z.B. Begrüßungsabend, Mitgliederversammlung, Festkommers, Gottesdienst, gemeinsames Mittagessen und Exbummel.
Stoff
Commentmäßiges Getränk, auf den meisten Veranstaltungen Bier, bei Veranstaltungen mit Damen auch Wein.
Stürmer
Besondere Form der Mütze.
Subsenior
Siehe Kassenwart.
suspendieren
Aussetzen, zeitweilig aufhören. Man versteht darunter das vorübergehende Einstellen des Aktivenbetriebs einer Verbindung, wenn ein zu großer Mitgliedermangel besteht. Eine andere Bezeichnung dafür ist vertagen.
Sv, SV
Siehe Schülerverbindung.
T
Tempus
Zeit. „Tempus peto!“ = Ich bitte um Zeit (zum kurzen Verlassen der Kneiptafel). Die Bitte wird von einem Burschen an den Präsiden, von einem Fuxen aber an den Fuxmajor gerichtet, der sie durch „Habeas!“ gewährt oder durch „Non habeas!“ ablehnt.
Terz
Fechthieb nach der rechten Kopfseite des Gegenpaukanten. Man unterscheidet hohe, Außen- und tiefe Terz. Siehe Hieb.
Thomastag
Ursprünglich kirchlicher Feiertag am 21.12. Die Studenten aus dem benachbarten Altdorf durften früher Nürnberg nicht betreten. Nur einmal im Jahr, am Thomastag, war das Verbot aufgehoben. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus ein großes Fest für alle Korporierten von Stadt und Umland mit Thomaskneipen und Thomasbummel. Der Thomastag zieht jährlich an die 3.000 Studenten und Alte Herren nach Franken.
Tönnchen
Tellerförmige, kleine, schirmlose Hinterkopfmütze, auf deren Oberseite meist der Zirkel aufgestickt ist. Tönnchen können von Inaktiven und von Alten Herren getragen werden.
Trauerkneipe
Kneipe zu Ehren eines gerade verstorbenen Bundesbruders.
Trauersalamander
Salamander auf einer Trauerkneipe zu Ehren eines verstorbenen Bundesbruders. Nach dem Trinken werden die Gläser nicht auf der Tischplatte gerieben, sondern man deutet das Reiben durch Bewegen der Gläser in der Luft an, um sie schließlich leise auf dem Tisch abzustellen. Siehe Salamander.
Treffer
Mensurhieb, der den Gegenpaukanten erwischt. Man unterscheidet zwischen einem scharfen Treffer (muss meistens genäht werden), halbscharfen Treffer, der eine unbedeutende Verletzung nach sich zieht, und einem flachen Treffer, der keine blutende Verletzung hervorruft.
U
Unparteiischer
Leitender und entscheidender Bursche bei Mensuren und Biermensuren.
V
Vademecum
Wörtlich „Geh-mit-mir“. Lehrbuch, Leitfaden, häufig auch Ratgeber in Form eines kleinen Buches.
Vbr.
Siehe Verbandsbruder.
Verbandsbruder (Vbr.)
Korporierter, der in einer anderen Verbindung des gleichen Dachverbands Mitglied ist.
Verbum
Wort. Auf offiziellen Verbindungsveranstaltungen im Sinne einer Redeerlaubnis gebraucht. Möchte jemand das Wort ergreifen, so wendet er sich an den Präsiden mit der Formel „Verbum peto!“ = „Ich bitte ums Wort!“ Die Bitte wird mit „Habeas!“ gewährt oder mit „Non habeas!“ abgeschlagen.
Verein
Einige Korporationen nennen sich Vereine, da der entsprechende Kartellverband die eigentliche Verbindung ist. Die einzelnen Vereine sind damit eine Art Zweigstelle der Korporation an den jeweiligen Universitäten. Dieses System hat sich vor allem im schweizer Korporationsstudententum mit seinen Zentralvereinen und ihren Sektionen an Hochschulen und Gymnasien durchgesetzt.
Verkehrsgast
Ein Gast, der am Verbindungsleben mit allen Rechten und Pflichten aktiv teilnimmt und meist in einer anderen Stadt in einer Kartellverbindung Mitglied ist. Siehe Renonce.
vertagen
Siehe suspendieren.
Vivat, crescat, floreat!
Wunsch, dass eine Verbindung leben, wachsen und blühen möge. Manchmal versehen mit dem Anhang „ad multos annos“ oder „in aeternum“. Siehe Zirkel.
Vollcouleur
Bestehend aus Anzug, Mütze, und Band. Standardkleidung bei Kneipen, Kommersen und anderen feierlichen Veranstaltungen. Siehe plenis coloribus.
Vollwichs
Prachtkleidung der Chargierten, bestehend aus Cerevis, Pekesche mit Brustband und Schärpe, weißen Handschuhen, weißer Hose, schwarzen Stiefelschäften und dem Paradeschläger mit Gehänge. Die Vollwichs wird auf Kneipen, Kommersen und anderen sehr feierlichen Veranstaltungen getragen.
W
Waffenbruder (Wbr.)
Mitglied einer anderen schlagenden Verbindung.
Waffenring
Örtliche Vereinigung der schlagenden Studentenverbindungen.
Waffenstudent
Mitglied einer schlagenden Studentenverbindung.
Wahlspruch
Motto, Leitsatz einer Verbindung. Siehe Bundeslied.
Wappen
Das Verbindungswappen besteht meist aus einem viergeteilten Schild, auf dem die Verbindungsfarben, Zirkel, Gründungsdatum und andere für die Verbindung wichtige Symbole eingefügt sind. Über diesem Schild ist meist ein Ritterhelm mit Federbusch und darunter der Wahlspruch angebracht.
Wbr.
Siehe Waffenbruder.
Weinband
Couleurband von der halben Breite des Burschenbands. Es wird zum Herstellen von Weinzipfeln und zum Verzieren von Erinnerungsfotografien der Verbindung verwendet. In manchen Verbindungen wird Couleurdamen ein Weinband verliehen, das diese wie ein Burschenband tragen.
Weinkneipe
Kneipe, auf der Wein statt Bier ausgeschenkt wird und zu der meist Damen eingeladen werden.
Weinzipfel
Freundschaftszipfel, bestehend aus Weinband, der zwischen Korporierten getauscht wird. Siehe Zipfel.
Wichs
Uniform der Chargierten. Siehe Vollwichs und Salonwichs.
WS
Wintersemester
X
x
Chargenzeichen des Sprechers.
xx
Chargenzeichen des Schriftwarts.
xxx
Chargenzeichen des Kassenwarts.
Z
Zbr.
Siehe Zipfelbruder.
Zipfel
Der Zipfel ist ein von Korporierten getragenes Schmuckstück, das früher an der Taschenuhr befestigt wurde und heute an einen speziellen Zipfelhalter gehängt wird. Ein Zipfel besteht aus einem doppelten Bandstück der Verbindung, das von metallenen Schiebern zusammengehalten wird. Auf den Schiebern sind meist Zirkel, Datum oder Semester sowie Widmung und Namen eingraviert. Ein Zipfel wird von Korporierten als Freundschaftszeichen getauscht oder auch dediziert. Man unterscheidet vier Arten von Zipfeln: Bierzipfel, Sektzipfel, Schnapszipfel und Weinzipfel.
Zipfelbruder (Zbr.)
Korporierter, mit dem man einen Zipfel getauscht hat.
Zipfelbund
Alle am Zipfelhalter befestigten Zipfel, die ein Verbindungsmitglied im Laufe der Zeit erhalten hat.
Zirkel
Zeichen einer Verbindung, das aus dem Anfangsbuchstaben des Verbindungsnamens sowie meist den Buchstaben v, c und f besteht, stellvertretend für vivat, crescat, floreat. Eine andere Deutung von „vcf“ lautet vivat circulus fratrorum = es lebe der Kreis der Brüder. Der Zirkel wird als Zeichen der Verbindungszugehörigkeit hinter den Namen gesetzt.
Zweitchargierter
Siehe Schriftwart.